Margot Ebert war die Frau an Quermanns Seite. Eine zierliche Moderatorin mit einem zurückhaltend warmen Lächeln, die zusammen mit dem dicken, kleinen Charmeur Heinz Quermann auf der Bühne ein bizarres Paar spielte, das sich öffentlich neckte. Außerdem gaben sie einander Stichworte, um Tanz- und Gesangskünstler für ein mittägliches Weihnachtsprogramm in der Sendung "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" anzukündigen. Sie hielt am ersten Weihnachtstag von 1957 bis 1991 das Fernsehpublikum bei Laune. Oder genauer: die Kinder und Väter des Fernsehpublikums, denn Mutter war ja zum Schuften in die Küche geschickt worden. Sie konnte sich nur zwischendurch zurufen lassen: Kartoffeln aufsetzen! Dazu gab die Sendung - war es immer um halb eins? - zuverlässig das Kommando. Und wenn sie zu Ende war, wurde gegessen. So war es vom DDR-Fernsehen vorgesehen, und frühkindlichen Erinnerungen zufolge haben sich viele Familien auch daran gehalten. Die Sendung muss unerhörte Quoten gehabt haben, denn zumindest in den ersten Jahren schaltete ja sonst kein Mensch mittags den Fernseher ein. Margot Ebert jedenfalls wurde in der DDR weltberühmt mit ihren Moderationen zum "Gänsebraten".Natürlich konnte sie mehr. 1926 in Magdeburg geboren, nahm sie früh Ballettunterricht, begann als Tänzerin und Schauspielerin. Sie wurde Fernseh-Ansagerin und spielte in vielen Fernsehkomödien. Singen konnte sie auch - am Theater war sie mehr als 400 Mal die Eliza in "My Fair Lady". An der Seite ihres Mannes, des Schauspielers Wilfried Ortmann, gastierte sie auch auf Sprechbühnen. Berühmt geworden wäre sie damit nicht.Die Entscheidung ihres Lebens blieb der "Gänsebraten". Ein bisschen war die Sendung wie die DDR: So artig, so bieder, so verplant. Margot Ebert sprach keine Zeile frei, sondern lernte ihre Texte auswendig und hatte dazu Spickzettel am Kleidersaum befestigt. Und immer wurde der illustre Schein lauterer Harmonie zwischen Ebert und Quermann zelebriert, während hinter den Kulissen regelmäßig Zoff ausbrach. Einmal wollte er die Sendung hinschmeißen, einmal stieg sie für ein Jahr aus (1984). Quermann schrieb die Texte für die Sendung, sie beklagte, dass er die Pointen für sich reservierte. Sie wollte in der Sendung nicht nur tanzen, singen und ansagen, sondern auch eigene Gedichte vortragen. Er hatte womöglich Gründe, das nicht zu dulden. Er galt als dominant, sie als theatralisch. Später rechneten beide miteinander ab, näherten sich aber wieder an. Zu Quermanns Beerdigung 2003 hatte Ebert einen letzten großen Auftritt. Unter dem Raunen der Trauergäste legte sie Rosen auf seinem Sarg nieder und verließ die Feier sogleich wieder.In den letzten Jahren wollte sie keine öffentliche Person mehr sein, ließ auch keine Fotografen mehr zu sich. Sie soll sehr einsam gewesen sein, als sie am Freitag 83-jährig starb. Laut Polizei setzte sie ihrem Leben mittels Tabletten ein Ende.------------------------------Foto: Sie sang, tanzte und schauspielerte auch: Margot Ebert, TV-Ansagerin.