Wer wissen will, was Poesie in der Architektur leisten kann, der gehe zur 1998 von Konrad Wohlhage, Hilde Leon und Siegfried Wernik entworfenen Indischen Botschaft in der Tiergartenstraße. Geradezu zierlich ist der rosaorangerote, mit rau geschlagenem Sandstein verkleidete Bau neben dem weißen Klotz der Landesvertretung Baden-Württembergs, ein Schlitz lässt das Innere ahnen, ohne es zu enthüllen. Ein Meisterstück der Architekten, die die Noblesse einer alten Kultur in heutige Formen hüllten.Wie jetzt bekannt wurde, verstarb Konrad Wohlhage am Freitag vergangener Woche nach langer, schwerer Krankheit im Alter von nur 54 Jahren. Mit ihm verliert Berlin mehr als nur einen guten Architekten. Die Stadt verliert eine mögliche Inspiration ausgerechnet in dem Moment, in dem sich die lange so strikten Formengesetze der Bauverwaltung und das kurzfristige Investorendenken zu lockern scheinen. Sie hatten etwa sein großartiges Projekt für das Klingelhöfer Dreieck oder das Hotel neben dem Theater des Westens zugunsten banaler Renditebauten scheitern lassen. Wohlhage konnte mit leiser Stimme Studenten, Mitarbeiter, Kollegen und Politiker auf solche Entwicklungen hinweisen, die oft erst langfristig zum Problem werden, hielt irgendwie immer einen Zeichenstift in der Hand, verband das Musische und das Intellektuelle. Nicht jedes seiner Projekte gelang, wie könnte es anders sein, aber alle zeigen, mit welcher Präzision an sie herangegangen wurde.Dass Wohlhage in den Niederlanden studierte - wo die Moderne der 20er- Jahre bis heute Lebenskraft hat - ist seinen Projekten anzusehen, sei es in vernünftigen und auf ein enges Miteinander angelegten Wohnungsbauten, in der Bremer Landesvertretung mit ihren gestapelten Kuben, oder im selbstbewussten und doch einfühlsamen Weiterbau einer Schule aus den 50er-Jahren. Sie zeigen uns, dass die so oft totgesagte Moderne noch lange nicht ausgereizt ist. Wie gern hätten wir mehr solch optimistischer Bauten.Trauerfeier: Montag, 8. 10., in der Kirche am Ludwigkirchplatz um 10 Uhr.Ausstellung: Zeichnungen Wohlhages, bis 15. Oktober, Galerie Inga Kodeyne, Linienstr. 115, Fr 14-18, Sa 12-17 Uhr.------------------------------Foto: Konrad Wohlhage, 3. 12. 1953 bis 28. 9. 2007