Wenn Amerikaner von Deutschland reden, meinen sie oft den Schwarzwald. Nicht nur wegen der exportträchtigen Kuckucksuhren, sondern auch wegen einer Melodie mit dem Titel "A Walk In The Black Forest", die eigentlich "Eine Schwarzwaldfahrt" heißt. Horst Jankowski hatte sie 1962 komponiert. Drei Jahre später konkurrierte das Stück weltweit mit Elvis und den Beatles um Hitparaden-Plätze. 31 Wochen stand "The Genius of Jankowski" damals in den US-LP-Charts, Zeit seines Lebens blieb der Komponist für die Amerikaner "Mister Black Forest". Ähnliche Erfolge konnte später nur noch James Last verbuchen. Am Montag ist der Berliner Pianist, Komponist, Arrangeur und Bandleader Horst Jankowski im Alter von 62 Jahren an einem Krebsleiden gestorben.Der Allround-Musiker war gerade als Easy-Listening-Star wiederentdeckt worden. Ein Sampler mit alten Aufnahmen versammelt unter dem Titel "Black Forest Explosion!" Titel wie "Wack Wack", "Pata Pata" und "Pink Balloon". Den Doors-Klassiker "Light My Fire" singt der Horst-Jankowski-Chor mit deutschem Text, und aus der Beatles-Ballade "Fool On The Hill" wird "Der Mann, den s nicht gibt". Jankowskis große Liebe gehörte dem Jazz, aber auch die Tanzmusik hat er immer verteidigt. Als der Beat in den sechziger Jahren für Aufregung sorgte, verwies Horst Jankowski auf die "ewigen Werte" guter Unterhaltungs-Musik. Heute füllt eine Mischung aus Swing und Schlager wieder die Ballsäle und es macht nichts, daß Plattenfirmen das "Easy Listening" nennen.Horst Jankowski unterschied nicht zwischen Jazz und Rock, Schlager und Pop: "Das wirklich Spannende passiert sowieso immer irgendwo dazwischen." Er saß manchen Abend am Piano eines Jazz-Clubs und stand Tags darauf mit seinem Schlager-Chor auf einer großen Revue-Bühne.Mit sechzehn Jahren begleitete er Caterina Valente am Klavier, zwischen 1955 bis 1965 gewann er jedes Jahr den 1. Preis als bester deutscher Jazzpianist. Am Berliner Konservatorium hat Jankowski Baß, Klavier und Trompete studiert, er spielte bei Kurt Hohenberger, bei Erwin Lehn in Stuttgart, bevor er seinen berühmten Chor formierte und 1975 das RIAS-Tanzorchester übernahm, das er für die nächsten zwanzig Jahre leitete. Insbesondere mit der jährlichen "RIAS-Parade", zu der zahllose Stars erschienen, sowie der Serie "Zu Gast bei Horst Jankowski", die auch im Fernsehen lief, verewigte sich der Künstler in der Geschichte des Radiosenders.Das Album "Jankowskeyboard", knapp ein Vierteljahrhundert alt, ist eines von Jankowskis besten. In den letzten Jahren unternahm er kaum noch große Jazzaktivitäten. 1997 wurde in Monheim am Rhein sein Musical "Münchhausen" uraufgeführt. Die "Poesie des Unmöglichen", der Wunsch des Lügenbarons, über sich und andere hinauszuwachsen, hatten ihn schon immer fasziniert.Vor vierzig Jahren nahm Horst Jankowski mit Tony Scott den "Blues for Charlie Parker" auf. Der "Blues for Horst Jankowski" muß noch geschrieben werden, ein wenig "Schwarzwald-Groove" darf dabeisein.