Zum Tod des Defa-Regisseurs Werner W. Wallroth: Er lockte Millionen ins Kino

Werner W. Wallroth, der am Dienstag 81-jährig in Potsdam verstarb, war ein Regisseur der heiteren Muse. Bei der Defa drehte er vorwiegend Lustspiele, Komödien, Musicals, manche davon lockten Millionen ins Kino. Mit "Hauptmann Florian von der Mühle" (1968) brachte er den ersten abendfüllenden 70-mm-Film der DDR auf die Leinwand, ein aufwändiges Unternehmen, das Manfred Krug zwischen Liebeshändeln, Degenduellen und Tortenschlachten ins rechte Licht setzte. "Seine Hoheit, Genosse Prinz" (1969) mit Rolf Ludwig überraschte durch eine Fülle kabarettistischer Seitenhiebe auf West und Ost; freilich kappte die Zensur die frechsten Stellen. In "Du und ich und Klein-Paris" (1970) verwandelte Wallroth Leipzig in ein knallbuntes Universum, das an Pop-Art und Flowerpower denken ließ.Wallroth, der auch Chansons schrieb, ging bei der Umsetzung seiner Stoffe oft von ambitionierten ästhetischen Idealen aus. Das machte die Filme mitunter schwerfälliger und bedeutungsvoller als nötig. Von Großprojekten wie dem 70-mm-Opus "Lützower" (1971) und dem Indianerdrama "Blutsbrüder" (1975) erholte er sich dann mit einem heiter-gelösten Episodenfilm wie "Liebesfallen" (1976), in dem er Nina Hagen als Schauspielerin für die Leinwand entdeckte. Sein letzter großer Wurf war das Musical "Zille und ick" (1983), das sich mit klug ertüftelten, am Rhythmus der Musik orientierten Schnittfolgen und Massenchoreografien an Hollywood-Vorbildern orientierte. Nach 1990 konnte Wallroth keinen Film mehr inszenieren.------------------------------Foto: Wallroth bei Dreharbeiten ("Zille und ick", 1983, mit Daniela Hoffmann)