Der Dirigent Heinz Rögner ist tot. Wie seine Familie am Mittwoch mitteilte, starb der Dirigent am Abend des 10. Dezember in seiner Heimatstadt Leipzig an einem Gehirnschlag. Rögner war von 1973 bis 1993 Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, nach 1975 betreute er für einige Jahre auch den Rundfunkchor Berlin. Außerdem hatte er das Orchester des Nationalorchesters in Weimar und das Große Rundfunkorchester Leipzig geleitet. An der Staatsoper Berlin ist er Generalmusikdirektor gewesen. Dort leitete er auch Sinfoniekonzerte, unter anderem einen Beethoven-Zyklus, dessen Klavierkonzerte Wilhelm Kempff als Solist spielte. Fan-Gemeinde in JapanAls Lehrer hat er sein Wissen um die Orchesterleitung weitergegeben, 1981 berief ihn die Eisler-Hochschule in Berlin zum Professor. Heinz Rögner ging mit seinen Berliner Orchestern auch nach Japan auf Tournee und erwarb sich dort eine eigene Fan-Gemeinde. Das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio ernannte Rögner 1978 zum Ständigen Gastdirigenten und 1984 zum Principal Conductor. Rögners Bruckner- und Mahler-Aufnahmen für den DDR-Rundfunk und für das Plattenlabel Eterna wurde viel Lob gespendet, sie sind heute auf CD zu erhalten. Konzertkritiken der "Berliner Zeitung" hoben die Ruhe und Übersicht der formalen Gestaltung hervor. Erst vor kurzem noch war Rögner für einen Abend im Konzerthaus eingesprungen, und für den 19. April 2002 plante er, wie in jeder Saison, ein Dirigat beim Rundfunk-Sinfonieorchester; zwei Sinfonien von Jean Sibelius hätten auf dem Programm gestanden. Dieses Konzert werde nun dem Andenken des langjährigen Chefdirigenten gewidmet, erklärte das RSB.Verkörperung einer BalanceNach ihrem Bekanntwerden hat die Nachricht vom Tod Rögners am Mittwochabend in Berlin vor allem unter den Musikern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Betroffenheit ausgelöst. Mit Heinz Rögner habe man einen grundehrlichen Menschen von charakterfester Aufrichtigkeit verloren, erklärte der Orchestervorstand des RSB. Rögner habe in seinen Chefpositionen "homogene Chor- und Orchesterpersönlichkeiten" kontinuierlich entwickelt und gleichzeitig doch auf eine einmalige, unverwechselbare Atmosphäre im Augenblick der Aufführung geachtet. So erscheint der Dirigent in der Erinnerung der Musiker als die Verkörperung einer nicht immer selbstverständlichen Balance. Das Handwerk habe er in solchem Maße beherrscht, dass sich die Präzision des Musizierens wie von selbst eingestellt habe - "erzwungen hätte er nie eine Leistung oder einen Effekt, weil er davon überzeugt war, dass Gewalt in der Musik niemals zum Ziel führt". (ku.)