Nach langer Krankheit ist am Sonnabend der Musikwissenschaftler Horst Seeger im Alter von 72 Jahren in Dresden gestorben, das teilte die Sächsische Staatsoper am Montag mit. In der letzten Zeit war es still um Horst Seeger geworden. Wir wußten von seiner schweren Krankheit. Ab und an gab es einige Telefonate in den letzten Jahren und dann habe ich mich sehr gefreut, als er im Sommer 97 eine Aufführung in Rheinsberg besuchte.Wenn man nun sein Wirken für die Oper und das war Zentrum seiner Arbeit an sich vorüberziehen läßt, dann staunt man über die Fülle seiner Aktivitäten. Horst Seeger war im wahrsten Sinne ein fleißiger Mensch. Neben seinen verantwortlichen Tätigkeiten hat er immer noch an Büchern, Artikeln oder an Lexika gearbeitet, das Musiklexikon des Deutschen Verlags für Musik hat er selbst herausgegeben. Seeger, der in Erkner bei Berlin geboren wurde, begann seine publizistische Arbeit als Musikkritiker. In den Jahren 1959/60 war er Chefredakteur der Zeitschrift "Musik und Gesellschaft". Seine kenntnisreichen und das Wesen des Felsensteinschen Musiktheaters erfassenden Kritiken machten Walter Felsenstein auf den jungen Musikwissenschaftler aufmerksam, und er bot ihm 1960 die Chefdramaturgenstelle an seinem Hause an. Nun begann eine schöpferische publizistische Tätigkeit, die immer aus den praktischen Erfahrungen der Arbeit am Hause in der Behrenstraße inspiriert war: Darstellung und Erläuterung der Methode des realistischen Musiktheaters, Werkanalysen, Opernübersetzungen, die Herausgabe der angesehenen Jahrbücher der Komischen Oper und vieles mehr.Anfang der 60er Jahre suchte ich den Kontakt mit Horst Seeger. Ich wollte eine Oper schreiben und hatte ein unvollendetes Libretto, "Lazarillo vom Tormes". Horst Seeger schrieb es mir und hatte auch wesentlichen Anteil, daß meine Oper an dem durch den Felsensteinschüler Carl Riha in Karl-Marx-Stadt geleiteten Opernhaus uraufgeführt wurde. Seeger holte auch Felsenstein zur Uraufführung nach Karl-Marx-Stadt und das hatte zur Folge, daß ich ein Angebot von Felsenstein bekam, neben Seeger als Komponist und Dramaturg an seinem Hause zu lernen und zu arbeiten.1973 verließ Horst Seeger die Komische Oper und wurde Intendant der Dresdner Staatsoper. Ihm ist es zu verdanken, daß wichtige Regisseure wie Harry Kupfer und Ruth Berghaus und namhafte Dirigenten wie Herbert Blomstedt nach Dresden geholt wurden. Auch das unermüdliche, jahrelange Ringen um den Wiederaufbau der Semperoper ist ein Verdienst dieses nimmermüden, opernbesessenen Mannes.