Wegen ihm tragen wir alle Rucksäcke ein Mensch nämlich, der etwas in den Händen trage, treibe freiwillige Selbstverkrüppelung, schrieb Carlos Castaneda in einem seiner vielen Bücher über seine zwölfjährige Lehrzeit bei dem mexikanischen Schamanen Don Juan. 1968 schlugen "Die Lehren des Don Juan" ein wie eine Bombe da fährt ein "aufgeklärter" junger Wissenschaftler aus Kalifornien nach Mexiko und begegnet einem Yaqui-Schamanen, der sich bereit erklärt, ihn in die Geheimnisse seiner Kunst einzuweihen. Und irgendwann, nachdem der junge Held den ganzen Müll seiner westlichen Erziehung abgestreift und das Peyotl so gekaut hat, wie es die Lehre der Alten vorschreibt, kann er sogar fliegen. Aber Achtung! Wer aus seinem Körper geht, läuft Gefahr, nie wieder zurückzufinden. "Die Lehren des Don Juan" ist so etwas wie Goethes Zauberlehrling, übersetzt in die Weltanschauung des New Age.Mit Castaneda begann in den siebziger Jahren eine neue Ära der Bewußtseinserweiterung. Statt wahllos Pharmazeutika einzuwerfen, wurde meditiert über die Rückkehr zum Ursprünglichen, zur Disziplin, zum traditionellen Wissen der Indianer. Ohne die richtige innere Haltung läuft gar nichts, sagt Castaneda als Sprachrohr seines Meisters, von dem er schließlich die Schamanenweihe erhält. Und wer sich in andere Welten begibt, müsse sich nicht wundern, wenn er darin untergeht. Don Juans Existenz wurde später angezweifelt; Castanedas Mentor, hieß es, sei nichts weiter als die Bibliothek seiner Heimatstadt. Castaneda hat solche Anschuldigungen stets weit von sich gewiesen.Bitte keine PhotosWährend die ersten Bücher dem Bedürfnis einer Generation im Aufbruch nach einer charismatischen Führerfigur entgegenkommen, driften die späteren in immer phantastischere Sphären ab. Don Juans erbitterte Kämpfe mit grundbösen Hexen verraten deutlich misogyne Züge. Wer ein Kind gebiert, verliert ein Stück seiner Seele und wird keine Ruhe finden, bis er dieses nicht wieder zurückerobert hat. Solchen Schwierigkeiten zum Trotz erheben heute neben Castaneda drei Frauen Anspruch auf den Titel eines "toltekischen Kriegers" und Bewahrer des Schamanismus Don Juans. In den letzten Jahren haben die vier Erleuchteten gemeinsam eine Bewegungslehre ins Leben gerufen; "Tensegrity", hat es sich zur Aufgabe gemacht, "intelligent auf eine Herausforderung der Unendlichkeit zu antworten". Im Gegensatz zu anderen Gurus des New Age verweigerte sich Castaneda stets jedem Auftritt in der Öffentlichkeit, er ließ sich nicht photographieren oder auf Tonband aufnehmen. Auch die Frage seiner Geburt und Herkunft bleibt ungeklärt. Geboren ist Castaneda entweder am 25. Dezember 1925 in Peru oder am 25. Dezember 1931 in Brasilien. Am 27. April setzte Castaneda zu seinem letzten Flug an: Er erlag in seinem Haus in Los Angeles einem Leberkrebsleiden.