Bevor wir unseren öffentlichen Stadtraum mit einem neuen "Einheitsdenkmal" zumöblieren, sollten wir uns noch einmal die acht Meter hohe Stahlskulptur auf dem Mittelstreifen des Tauentzien, zwischen Gedächtniskirche und KaDeWe, anschauen. Die stählerne "Darmverschlingung" des Ehepaares Matschinsky-Denninghoff, aufgestellt im Jahr 1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins, symbolisierte schon seinerzeit die Situation des damals noch geteilten Berlins: Wie Krakenarme scheinen sich die getrennten Teile der Stadt zu einer organisch-abstrakten Brücke, einem Himmelstor zu vereinigen. Der bei aller Riesigkeit so lichte, fast entmaterialisiert schwebende Koloss - er hieß schlicht "Berlin" - und wurde schnell zum populärsten Kunstwahrzeichen West-Berlins.So wie ihre raumgreifenden Stahlröhrengebilde, beinahe 1000 davon gibt es mittlerweile deutschlandweit, waren auch Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff ein ineinander verschlungenes Künstlerpaar. Sie lernten sich Anfang der 50er-Jahre am Darmstädter Experimentiertheater kennen. Durch sie kam er überhaupt zur Kunst, 1955 begannen sie gemeinsam zu arbeiten. Schon 1959 nahmen sie an der ersten documenta in Kassel teil, später stellten sie auch an der Biennale in Venedig aus. Seit den 60er-Jahren entwickelten sie ihre eigene Technik aus gebündelten Stahlrohren, die sie wie weiches Spaghetti-Eis zu monumentalen Gerüstskulpturen verschweißten.Vor der Erfolgssynthese des Ehepaares zum Markenzeichen Matschinsky-Denninghoff hatte die einstige Assistentin der Bildhauer Henry Moore und Antoine Pevsner in München die Künstlergruppe ZEN 49 gegründet. Am Montag starb die 1923 in Berlin geborene Brigitte Matschinsky-Denninghoff im Alter von 87 Jahren.------------------------------Foto: Brigitte Matschinsky-Denninghoff (1923-2011)Foto: Die Berliner "Darmverschlingung"