Es war, zumindest wenn man ein wenig Sinn fürs Exotische hatte, eines der anregendsten Kollegs, welche das Kunsthistorische Institut der Freien Universität in den achtziger Jahren zu bieten hatte: Islamische Kunst bei Klaus Brisch, dem Direktor des Westberliner Museums für Islamische Kunst.In seiner Vorlesung und dem zeitlich immer direkt anschließenden Seminar wurde keineswegs nur über die vertrackte Ornamentik der omaijadischen Mosaiken des Felsendomes in Jerusalem, türkische Kalligrafien des 18. Jahrhunderts, byzantinische Kapitellplastik und die Bauten der Alhambra diskutiert, sondern auch über alles, was im weiteren Umfeld entstand, von der gotischen Kunst der Völkerwanderungszeit bis hin zur Moderne des Orient. Seit 1966 hatte Brisch das einst beste Museum islamischer Kunst außerhalb des Orients wieder zu Bedeutung gebracht. Schwer war es durch Kriegsverluste und die Teilung zwischen Ost und West angeschlagen; in Ost-Berlin etwa befand sich die Mschatta-Fassade und ein Großteil der Architektursammlung. Brisch versuchte sie systematisch durch Neuankäufe zu ersetzen. Manches Objekt, wie eine große Gebetswand aus Persien, entpuppte sich später als nicht so alt wie vermutet. Meist jedoch hatte er eine sichere Hand. Spektakulär war etwa der Kauf kostbarer Miniaturen und Manuskripte, des riesigen persischen Gartenteppichs oder des 1981 erworbenen kadscharischen Deckengemäldes aus dem 19. Jahrhundert. Auch die von Brisch mit dem Architekten Fritz Bornemann entwickelte Inszenierung im Dahlemer Neubau wurde international als vorbildlich betrachtet. Vitrinen und Objekte waren in dem reinen Kunstlichtsaal zwar in streng eingehaltener zeitlicher Reihenfolge, aber doch so locker arrangiert, dass die ästhetische Versenkung in das einzelne Objekt möglich war.Brisch war, wiewohl 1923 im schlesischen Oppeln geboren, mit ganzem Herzen und kräftigem Akzent ein dem guten Essen, dem Scherz und intensiven Gespräch zugeneigter Rheinländer. Erst nach seiner Promotion über Kandinsky und die gegenstandslose Malerei (1955) in Bonn fand er zur islamischen Kunst und ihrer strengen Abstraktion. Spanien stand dabei im Zentrum seines Interesses, hier und in Syrien leitete er Ausgrabungen. Dabei entstand nicht zuletzt ein Fundus von Anekdoten über den großen Orientverächter und brillanten Islamforscher K. A. C. Creswell, die die Vorlesungen des Museologen würzten. Erst jetzt wurde bekannt, dass Klaus Brisch nach langer, schwerer Krankheit am 9. Februar in Berlin gestorben ist.