Auf Friedhöfen gab es früher aufwendig bepflanzte Gräber mit Grabsteinen, inzwischen findet man dort immer häufiger nur noch Rasenflächen: 2006 wurden nach Angaben des Amtes für Statistik mehr als 12 600 Tote in Berlin anonym begraben. Das entspricht 41 Prozent aller Bestattungen. Vor 15 Jahren fanden nur 22 Prozent ihre letzte Ruhe in namenlosen Grabstätten ohne individuellen Grabstein oder in Gemeinschaftsgrabstätten unter pflegeleichtem Rasen. 78 Prozent aller Toten werden in Urnen beigesetzt, für die traditionelle Erdbestattung entscheiden sich nur noch 22 Prozent.Warum immer mehr Menschen die anonyme Bestattung wählen, erklärt Arne Ziekow, bei der evangelischen Kirche für Friedhöfe zuständig, damit, dass viele ihren Angehörigen nicht zur Last fallen wollen. Viele ältere Alleinstehende hätten zudem niemanden mehr, der sich um die Grabpflege kümmern könnte. "Die wollen sichergehen, dass sie nicht unter einem völlig verwilderten Sandhügel liegen und wählen deshalb ein anonymes Grab", sagt Ziekow. Das ist von Rasen bedeckt und wird von der Friedhofsverwaltung gepflegt.Anonyme Gräber wurden teurerAuch die Kosten seien ein Faktor, sagt Rüdiger Kußerow, Obermeister der Berliner Bestattungs-Innung. Auch finanziell wolle man die Angehörigen nicht belasten. "Und in den Köpfen ist immer noch drin, dass das anonyme Urnengrab am günstigsten ist." Dabei ist das seit drei Jahren zumindest auf den landeseigenen Friedhöfen nicht mehr so. Damals wurde eine neue Gebührenstruktur eingeführt, die stärker berücksichtigt, welche Kosten der Friedhofsverwaltung entstehen. Anonyme Urnengräber aber sind teurer als solche mit Grabstein, weil letztere ja von Angehörigen gepflegt werden.Auf den evangelischen Friedhöfen, die 40 Prozent der Bestattungsflächen ausmachen, ist die anonyme Beisetzung allerdings immer noch am günstigsten. Arne Ziekow glaubt deshalb auch, dass es immer mehr solcher Gräber gibt, weil das Sozialamt immer häufiger die Kosten für Beerdigungen zahlt oder Ordnungsbehörden die Bestattung übernehmen, wenn es keine Angehörigen gibt. Er schätzt, dass jede fünfte Beerdigung auf den evangelischen Friedhöfen vom Amt bezahlt wird. Dafür sind in diesem Jahr neue Ausführungsbestimmungen erlassen worden. "Die legen fest, dass das billigmöglichst gemacht werden muss."Nicht alle Angehörigen kommen mit den anonymen Gräbern ihrer Vorfahren zurecht. Rüdiger Kußerow berichtet von einem Ehepaar, das eigentlich vereinbart hatte, anonym bestattet zu werden. "Der verbliebene Ehepartner ließ die Urne später in ein privates Grab umbetten", erzählt er.Ziekow berichtet auch, dass auf den Rasenflächen häufig Vasen stünden oder Teddybären abgelegt würden, an der Stelle, wo die Angehörigen die Lage der Urne vermuteten. "Das zeigt das Bedürfnis, einen konkreten Ort des Gedenkens zu haben", sagt er. Deshalb und auch um die Friedhöfe nicht zu Rasenflächen verkommen zu lassen, bietet die Friedhof Treuhand, ein Interessenverband der Friedhofsgärtner, seit September eine Alternative zum anonymen Grab: Die Ruhegemeinschaft, eine Art Friedhofs-WG. Fünf davon gibt es bereits.In alten Gräbern mit wertvollen Grabdenkmälern oder anderen Flächen werden 20 bis 40 Urnen beigesetzt. Der Name des Toten steht auf einem kleinen Kissenstein oder auf einer gemeinsamen Grabplatte. Friedhofsgärtner bepflanzen die Fläche und pflegen sie 20 Jahre lang - für einmalig 895 Euro. "Damit haben wir bereits viele Leute erreicht, die sich eigentlich anonym bestatten lassen wollten", sagt Geschäftsführer Achim Dick.------------------------------Foto: Aufwendige Grabsteine, wie hier auf dem Sankt-Matthäus-Kirchhof, werden auf Berliner Friedhöfen immer seltener.