Dallas ist nichts gegen Waltersdorf, und sein Ex-Angestellter Walter Momper war sein Geld nicht wert. Diesen Eindruck vermittelte Gert Ellinghaus (48) am Freitag vor dem Flughafen-Untersuchungsausschuß des Berliner Abgeordnetenhauses.Eigens aus seinem neuen Domizil Mallorca angereist, gab sich der "Kaufmann" Ellinghaus sowohl bei der Befragung durch die Parlamentarier als auch bei einer anschließend gekonnt improvisierten Pressekonferenz auskunftsfreudig wie selten. Und das beileibe nicht nur in bezug auf seine Grundstückstransaktionen am Flughafen Schönefeld.Bereits 1990 habe er 110 000 Quadratmeter in Waltersdorf gekauft. Und mit 115 Mark pro Quadratmeter auch voll bezahlt. Vorabinformationen über einen Flughafenausbau habe er da noch nicht gehabt. Ein Makler-Schnäppchen Aber die Hoffnung, das Gelände für die Metro zu erschließen und für gut 300 Mark pro Quadratmeter weiterzuverkaufen. Geleimt fühlt er sich dennoch: Weil das Gelände wider Erwarten nicht zum Gewerbegebiet deklariert wurde. Weil ein zwischengeschalteter Makler den urprünglichen Besitzern das Grundstück für gerade mal 13 Mark pro Quadratmeter abgeschwatzt hatte und sich an der Spanne schadlos hielt. Erst recht aber, weil dem renditeorientierten Bürgermeister von Waltersdorf als einem der ursprünglichen Eigentümer gelang, was ihm, Ellinghaus, versagt blieb: Der nämlich veräußerte noch 1992 Nachbargrundstücke zum Traumpreis von 250 Mark pro Quadratmeter an die Potsdamer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG). Ellinghaus hingegen blieb auf seinem Grundstück sitzen, bis die Geschäftsfreunde von Hohenloe & Partner seine Grundstücks GmbH komplett übernahmen.Noch derber traf es den Selfmade-Baulöwen 1992: Gemeinsam mit Roland Ernst erwarb er 220 000 Quadratmeter in Waßmannsdorf. Wohl wissend, daß dieses Gelände im Fall des Flughafenausbaus entscheidend an Wert gewinnen würde, zahlte er diesmal aber nur zehn Prozent der Kaufsumme an. Die Pläne der Flughafengesellschaft hatte er zuvor ebenso einsehen können wie später den Treuhandvertrag der LEG, die für den Flughafen mittlerweile als Grundstückskäufer tätig geworden war. Als es mit der Airport-Entscheidung nicht recht voranging, intervenierte Ellinghaus erst bei Brandenburgs Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP), später unter Vermittlung Walter Mompers (SPD) bei Staatskanzleichef Jürgen Linde (SPD). Gebracht habe beides nicht sonderlich viel, wie auch Mompers Tätigkeit für ihn generell "eher enttäuschend" gelaufen sei, sagte Ellinghaus, von dem sich Momper im Streit getrennt hatte. Auf Empfehlung des Partners Roland Ernst veräußerte Ellinghaus das Waßmannsdorfer Gelände später an die Zentrale Handels- und Immobiliengesellschaft Vaduz (ZHI). Doch die Liechtensteiner Briefkastenfirma blieb nicht nur den Kaufpreis schuldig, sondern auch den Aufwand, der für die Rückübertragung des Geländes an die ursprünglichen Besitzer erforderlich wurde. Allein seine persönlichen Ansprüche beliefen sich auf zwei Millionen Mark. Schnöde hintergangen Nach der Ausschuß-Anhörung bestätigte Ellinghaus freimütig, daß die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Konkursverschleppung gegen ihn ermittelt. Auslöser dafür sei die Strafanzeige eines Dachdeckerbetriebs, der sich mit einer angebotenen Vergleichsquote nicht zufrieden gebe und auf die Zahlung von 40 000 Mark bestehe. Mit seinem Ortswechsel nach Mallorca habe dies aber nichts zu tun. Genausowenig wie die Forderungen ehemaliger Mitarbeiter, die sich "auf gut eine Million Mark" belaufen. Die nämlich hätten zuvor ihn, Ellinghaus, schnöde hintergangen. +++

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