Egal was kommt, ich bin immer traurig." Das ist nicht das Motto des neuen Programms im Mehringhof-Theater, sondern ein Satz aus der Bettina-Wegner-Parodie, die Uwe Weinzierl unter dem Jubel des Publikums zum besten gab. Der Kabarettist war zum Geburtstag des Musik-Kabaretts "Zwei Drittel" zurück nach Berlin gekommen. Hier feiern die ehemaligen und noch aktiven Kabarettisten und Musiker ihr zehnjähriges Bestehen mit einem "Best-of"-Programm. Sie machen Spaß, komme, was wolle.Zehn Produktionen haben die Akteure hinter sich, und bei ihrem Blick zurück erinnern sie fast ausschließlich an die lauten, derben, komischen Nummern ihrer Programme. Nachdenklichkeit findet kaum statt, dafür gibt es viel Nostalgie. Die muntere Truppe hatte den Verfall linker Ideale stets ironisch und kritisch begleitet. Die kleine Festschrift macht den Weg der Hausbesetzer, Friedensmarschierer und Multikulturisten in den bürgerlichen Ruhestand noch einmal deutlich. Auf der Bühne ist davon aber nichts zu spüren. Es scheint, man schämt sich einstiger Betroffenheit.Dafür heißt es, nur immer lustig Blut und heiterer Sinn: Angela Merkel führt durchs Programm. Eberhard Diepgen hält ein Grußwort. Harry Valerien interviewt Niki Lauda. Herbert Grönemeyer singt vom schweren Los der Kleinkünstler. Die heitere Nutte verklärt das Leben auf dem Strich, und das Freundlichkeitstraining bei der BVG endet in einem Aggressionsausbruch. Gabi Schmalz, Christoph Jungmann und Robert Munzinger lassen keinen Hit der Vergangenheit aus. Höhepunkt dabei ist die Konstantin-Wecker-Parodie über den Abstieg eines Idols.Das macht Spaß, aber manchmal zu wenig Sinn. Denn es gab in den zehn Jahren doch viele Szenen, die eminent Politisches gekonnt mit Spaß verbanden. Davon überlebten im "Best of"-Programm leider zu wenige. Aber wenigstens die Nutte, die den zum Erzkapitalisten mutierten Linken therapiert, und die Sozialarbeiterin, die aggressive Szene-Kids vergeblich zu sozialisieren versucht, haben ihren Platz im Jubiläumsprogramm gefunden. Und der Song "Aufstehen", der witzig und selbstironisch mit alten Träumen umgeht.Am Ende gibt es dann noch ein schönes Stasi-Lied, das jegliche Fehler der Vergangenheit in Ost und West souverän verdrängt. Das sind Stücke, von denen wir noch mehr sehen und hören wollen.Bis 4.10. im Mehringhof-Theater