Die Entwicklung eines "Sprachgens" hat dem Menschen einen entscheidenden Vorteil in der natürlichen Auslese verschafft. Das ergab eine Studie von Wissenschaftlern des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Oxford University, die das Fachmagazin "Nature" in seiner Online-Ausgabe veröffentlicht hat. Die Forscher um Wolfgang Enard und Svante Pääbo aus Leipzig verglichen die in dem "FOXP2" genannten Gen enthaltene Abfolge der DNA-Bausteine mit der entsprechenden Sequenz bei Menschenaffen und bei der Maus. Dabei fanden sie kleine Unterschiede, die offenbar die Sprachfähigkeit beeinflussen.Das FOXP2-Gen des Menschen habe sich vor weniger als zweihunderttausend Jahren von den anderen Säugetiergenen wegentwickelt, schreiben die Wissenschaftler. Vom entsprechenden Gen der Schimpansen, Gorillas und Rhesusaffen unterscheide sich das menschliche FOXP2 in zwei DNA-Bausteinen. Bei der Maus-Variante sei ein weiteres dieser so genannten Nukleotide ausgetauscht.FOXP2 wurde im Oktober vergangenen Jahres von Wissenschaftlern um Anthony Monaco von der Oxford University entdeckt. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Hirnregion, die für die Aneignung der Sprache zuständig ist. Menschen, die ein defektes FOXP2-Gen haben, können die Grammatik nur schwer erlernen und haben Schwierigkeiten bei der Koordination der Gesichtsmuskulatur. (dvr.)Nature, Online-Ausgabe, 14. August 2002