Jimi Hendrix Experience, 26. 01. 69, Festhalle Frankfurt - das Plakat Günther Kieser gehört zu seinen bekanntesten. Es zeigt ein Kopfporträt des Gitarrenvirtuosen, aus dessen Haaren unzählige Kabel, Schalter und Regler wachsen. "Ich weiß nicht mehr, wie hoch unsere Druckauflage war", sagt Prof. Kieser, Jahrgang 1930, "doch jedes Jahr entdecke ich neue Schwarzdrucke davon. Das ärgert, macht auch ein wenig stolz."Mehr als 40 Jahre entwirft der Gebrauchsgrafiker Plakate, am bekanntesten sind seine Jazz-Plakate, sei es für die Berliner JazzTage (heute JazzFest), das Deutsche Jazz Festival in Frankfurt oder 20 Jahre American Folk & Blues Festival. Für Kieser ist Plakatentwerfen "eine Frage des Respekts vor dem Menschen im öffentlichen Raum", der einen Anspruch darauf habe, ein "ästhetisches, gut informatives Plakat" zu sehen.Seine Wohnung im Frankfurter Norden gleicht einem Mikrokosmos aus einer anderen Welt, in der sorgsam restaurierte hölzerne Karussellfiguren des vergangenen Jahrhunderts für eine angenehme Atmosphäre sorgen. An den Wänden alte Plakate, im Flur lagern Sammelobjekte von Kieser und Ehefrau Helly. Im Atelier Unmengen von Zeichen- und Malutensilien, Stifte in Divisionsstärke - aber kein Computer.Kieser lächelt, er weiß, er ist eine Art Fossil im Reich seiner jüngeren Kollegen, die mit Millionen von Bits und Bytes in Sekundenschnelle virtuelle Realitäten auf den Bildschirm zaubern. Kieser zeichnet noch richtig, malt, klebt oder lötet die Objekte zusammen, wie etwa sein Phantasie-Blechblasinstrument mit Dutzenden Mundstücken, das er ausleuchtet, dann fotografiert. Anfang der 50er Jahre lernte der junge Grafiker Horst Lippmann kennen, Mitbetreiber des legendären Frankfurter Hotclubs, in dem die Musik der amerikanischen Soldaten gespielt wurde. Für Kieser wie für Lippmann die Musik der Befreier von Krieg und Unmenschlichkeit. "Jazz war eine Offenbarung", sagt er, aber keiner der deutschen Konzertveranstalter jener Zeit wollte die Künstler verpflichten. So wurde Lippmann der erste Jazzveranstalter in Deutschland. "Damals wurden Jazzkonzerte mit 1 500 Besuchern, in Frankfurt im Zirkuszelt von Althoff, binnen weniger Tage ausverkauft." Kieser entwarf die Plakate: für Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Count Basie, Oscar Peterson, und die rebellischen 60er mit John Coltrane, John Mayall, Frank Zappa. Und Jimi Hendrix. Für Kieser begann mit Jimi Hendrix wieder das, was ihm im Jazz im Laufe der Jahre fast verlorengegangen war: "Hohe Intelligenz, musikalische Ausdruckskraft der Musik, eine außergewöhnliche Originalität und emotionale Intensität."Kieser akzeptiert "keinerlei visuelle Vorgabe meiner Auftraggeber". Es reicht, wenn er weiß, worum es geht, er verpflichtet sich "natürlich der vorgegebenen Thematik". Im schnellen Geschäft der Konzertveranstalter mußte er meistens unter Zeitdruck arbeiten, was "aber nicht geschadet hat", so Kieser. Zum Glück kann er es sich leisten, "unseriöse Angebote" abzulehnen. So, als ihn eine Whiskeymarke aufforderte, Werbeplakate im Stil seiner Folk-&-Blues-Festival-Plakate zu entwerfen. Mittlerweile haben die meisten großen Bands multinational operierende Managements, und die bestimmen, welches Plakat weltweit verwendet wird.Kieser-Plakate, Museum für Kunsthandwerk, Frankfurt/M., bis 14. 2. 96; Funkhaus Frankfurt, bis 15. 12. +++