BEESKOW. Es war in der Nacht zum 16. Juni: Gegen 0.30 Uhr bemerkten Spaziergänger ein Feuer am Fröbelpark in Beeskow (Oder-Spree). Als sie näher herantraten, sahen sie einen brennenden Menschen auf einer Parkbank liegen. Heute, zwei Wochen später, ist klar: Es war kein Unfall und kein Selbstmordversuch, durch den der 35-jährige Jürgen W. lebensgefährliche Brandverletzungen erlitt. Der obdachlose Mann wurde angezündet. Zwei junge Männer aus Beeskow sollen die schreckliche Tat verübt haben. Offenbar hatten sie Jürgen W. bestehlen wollen und sich geärgert, dass es bei ihm nicht genug zu holen gab. Am Donnerstagabend wurden gegen den 18-jährigen Steven G. und den 22-jährigen Stefan K. Haftbefehle wegen versuchten Mordes erlassen. Opfer liegt im künstlichen KomaWie Michael Neff, Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), am Freitag bestätigte, war der Tat ein Diebstahl vorangegangen. Jürgen W. hatte in jener Nacht auf der Parkbank geschlafen, als der 18-jährige Steven G. und der 22-jährige Stefan K. vorbeigekommen sein sollen. Die beiden jungen Männer durchsuchten Neffs Angaben zufolge den Schlafenden, nahmen ihm Zigaretten ab. "Vermutlich waren sie dann wütend, weil sie kein Geld bei ihrem Opfer fanden", sagte der Sprecher. Nach Erkenntnissen der Ermittler, holten die mutmaßlichen Täter dann ihre Feuerzeuge hervor und hielten die Flammen an den aus synthetischem Material bestehenden und damit leicht entflammbaren Anorak von Jürgen W. Kurz darauf brannte der Mann lichterloh. Zwei Zeugen konnten die Flammen offenbar mit einer Jacke ersticken. Sie alarmierten die Polizei. Wie sich offenbar später herausstellte, soll es sich bei einem der Retter um Stefan K., einen der nun Beschuldigten, gehandelt haben.Der 35-Jährige kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Unfallkrankenhaus nach Berlin-Marzahn, das auf Brandverletzungen spezialisiert ist. Bei dem Anschlag verbrannten mehr als 30 Prozent der Haut von Jürgen W.. Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge liegt er seitdem in einem künstlichem Koma. "Sein Zustand ist aber mittlerweile stabil", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde.Laut Neff bestreitet der 22-Jährige, Jürgen W. in Brand gesteckt zu haben. "Der 18-jährige Mann hingegen hat die Tat zugegeben", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Beide Beschuldigten seien polizeibekannt und mehrfach vorbestraft. Ihr Opfer Jürgen W. soll zudem schon im vergangenen Jahr von Jugendlichen durch Tritte verletzt worden sein. "Allerdings hatte er damals keine Anzeige erstattet", so Michael Neff."Es ist eine entsetzliche Tat", sagte Fritz Taschenberger, der Bürgermeister von Beeskow, am Freitag. Die schlimmste aller denkbaren Varianten sei eingetroffen. "Es ist für mich unvorstellbar, wie junge Leute so etwas Furchtbares machen können", sagte der Bürgermeister. Man müsse nachforschen, wo die Ursachen für so ein Verhalten lägen. "Auch wir als Stadt müssen Schlussfolgerungen aus der Tat ziehen."Weitere DrohungenZu Angaben, denen zufolge der Fröbelpark in der Vergangenheit häufiger durch angetrunkene und aggressive Jugendliche aufgefallen sei, sagte Taschenberger, es habe in der Vergangenheit schon Anlass zur Kritik gegeben. Doch habe man die Sache in den Griff bekommen. Der Spielplatz könne wieder von Kindern genutzt werden. Ordnungsamt, Polizei und angrenzende Schule arbeiteten zusammen. "Wir unterstützen die Jugendarbeit in der Stadt, müssen aber zugeben, dass wir gewisse Problemgruppen nicht erreichen", so Taschenberger.Offenbar waren nach der Tat am 16. Juni weitere Obdachlose in Angst versetzt worden. "Bald brennst auch Du", sollen Jugendliche gedroht haben, berichtete eine Zeitung. Den Angaben zufolge hätten mehrere Betroffene den Betreiber des Obdachlosenheimes darüber informiert.------------------------------Misshandelt und ermordet // Dahlewitz: Am 8. August 2001 starb Dieter Manzke. Der 61-jährige Obdachlose aus Dahlewitz war von fünf jungen Männern misshandelt worden. Die Täter wurden wegen Mordes und Totschlags verurteilt.Berlin: Im April 1994 wurde Manfred S. getötet. Drei junge Männer hatten ihn ausgeraubt, geschlagen und mit einem Messer auf ihn eingestochen. Dann schnitten sie ihm die Kehle durch. Lehnin: Im November 1992 starb Rolf Schulze an den Folgen schwerer Misshandlungen. Die Täter waren Skinheads. Sie übergossen die Leiche des 52-jährigen Obdachlosen mit Benzin und zündeten sie an.