Peter Schwarz klopft mit der Hand auf die solide Mauer seiner Gartenhütte. "Drei Wochen lang habe ich das verputzt", sagt Schwarz. Das ist nur ein Bruchteil der Arbeit, die der 43-Jährige aus Tiergarten und seine 51 Jahre alte Frau Petra in ihren Kleingarten in der Anlage "Einsiedel" in Pankow-Buchholz gesteckt haben. Geschaffen haben sich die beiden ein kleines "Paradies" mit über hundert verschiedenen Pflanzen, wie sie sagen. Ein Paradies, dem der Abriss droht.Familie Schwarz und die anderen Kleingärtner sehen ihren Besitz von einem Immobilieninvestor bedroht. Denn die Firma Christburk Grundbesitz GmbH hat die Grundstücke der Anlage "Einsiedel" mit 70 Parzellen und die 50 Parzellen der nahe gelegenen Kleingartenanlage "Familienglück" von einer jüdischen Erbengemeinschaft gekauft. Den Erben waren die Flächen, auf denen die in der ersten und zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts gegründeten Gärten stehen, nach der Wende zurückgegeben worden. Christburk-Geschäftsführer Burkhard Schmitt will auf den Grundstücken Ein- und Zweifamilienhäuser bauen und hat den Pächtern deshalb Anfang des Jahres gekündigt. Am 30. November sollen die Laubenpieper ihre Gärten verlassen haben. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kann für die Kleingärtner nichts tun. Denn die Gärten stehen wie rund acht Prozent aller Berliner Kleingärten auf Privatgrund. Um die Flächen zu erhalten, müsste das Land Berlin sie kaufen, "und dafür gibt es kein Geld", erklärt Martin Federlein (CDU), Pankower Stadtrat für Stadtentwicklung. Zudem sind "Familienglück" und "Einsiedel" im Flächennutzungsplan als Bauland ausgewiesen. Schlechte Karten für die Gartenfreunde.Federlein versuchte den Kleingärtnern in einer Mitgliederversammlung am Sonnabend die Lage zu erklären. Mit dem Ergebnis, dass man ihm "BlaBla-Gerede" vorwarf. Den Vorwurf der Kleingärtner brachte Hans-Georg Mankiewcz, Vorsitzender von "Familienglück", auf den Punkt: "Wir sollen geopfert werden, damit einige Leute sich bereichern können." Ortwin Kauschke, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Kleingärtner Pankow, stellte die Frage, warum die Einfamilienhäuser nicht auf einem der vielen brachliegenden Grundstücke in Pankow gebaut werden können. Doch daran ist die Christburk-GmbH nicht interessiert. Auch im Kleingartenparadies gilt das Prinzip des privaten Eigentums.Entscheidung am 22. AugustDer Bezirksverband versucht nun, juristisch gegen die Kündigung der Gärtner vorzugehen. Diese sei nicht gesetzeskonform gewesen, argumentiert der Kleingärtnerverband. Entschieden wird am 22. August vor Gericht. Petra Schwarz schlägt bis dahin kämpferische Töne an in ihrer Laube. "Ich bin sonst friedlich", sagt Schwarz. Aber wenn Schmitt ihren Garten betrete, gebe es Mord und Totschlag in ihrem kleinen Paradies.BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK Die Pankower Kleingärtner wollen ihre grünen Stadt-Oasen nicht aufgeben.

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