Sind sie alt oder jung? Männer oder Frauen? Brauchen sie das Geld, um Schulden zu bezahlen? Oder träumen sie davon, sich am Südseestrand zu erholen? Über die beiden Menschen, die beim Lotto in den vergangenen anderthalb Monaten insgesamt fast 900 000 Euro gewonnen haben, ist so gut wie nichts bekannt. Nur, dass der eine seinen Spielschein in Steglitz abgegeben hat und der andere in Neukölln. Doch abgeholt wurden die Gewinne bisher nicht. Gestern hat die Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB) die Glückspilze, die von ihrem Geldsegen offenbar nichts ahnen, aufgerufen, sich bald zu melden. Die Zeit läuft.Denn nach dem Ablauf festgelegter Fristen wird ihnen der Gewinn nicht mehr ausgezahlt. "Und das täte auch uns in der Seele weh", sagt Lutz Trabalski von der DKLB. Weil die Beträge jeweils die 100 000-Euro-Grenze weit überschreiten, müssten sie an den Deutschen Lotto- und Totoblock weitergereicht werden, der sie auf die 16 Bundesländer verteilt - zur Ausschüttung bei künftigen Spielrunden. Doch weil andere Länder mehr Einwohner haben, würden von diesem Geld nur fünf Prozent nach Berlin zurückgelangen. "Der größte Teil käme nach Nordrhein-Westfalen", berichtet Trabalski. Der Hauptstadt-Anteil käme in den Geldtopf für die "Berlin-Prämie". So heißt hier die Sonderauslosung, bei der nicht abgeholte Gewinne ausgespielt werden. Der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, die soziale, karitative und andere gemeinnützige Projekte unterstützt, dürfen derlei außerplanmäßige Beträge nicht zugute kommen. "Wir müssen darauf achten, dass 50 Prozent der Einsätze ausgeschüttet werden. Das wird streng kontrolliert", heißt es.Aus 3,25 mach 273 793,90 EuroDie ersten sechs Richtigen waren am Sonnabend, 21. April, getippt worden - und brachten stolze 273 793,90 Euro. Der Spielschein wurde gegen Mittag in einer Steglitzer Annahmestelle abgegeben. Der anonyme Spielauftrag umfasst vier Tipps für 3,25 Euro. Noch ist der Anspruch nicht verfallen. Die DKLB bittet, den Gewinn bis zum 22. Juli in einem Lotto-Laden oder in der Zentrale (Brandenburgische Straße 36 in Wilmersdorf) anzumelden. Auch nach diesen 13 Wochen ist das Geld noch nicht verloren. Trabalski: "In Berlin gewähren wir aus Kulanz eine weitere Frist von 13 Wochen" - weil davon ausgegangen wird, dass in der Touristenmetropole auch Auswärtige spielen, die nicht so oft hierher kommen.Mehr Zeit hat der Spieler, der einmal sechs Richtige sowie einmal drei Richtige ankreuzte und den Lottoschein am vergangenen Sonnabend in einem Neuköllner Laden abgab - ebenfalls als anonymen Spielauftrag. "Der Unbekannte hat den kompletten Schein mit Spiel 77 und Super 6 für acht Wochen gespielt. Jetzt warten 602 576,50 Euro auf ihn", sagt DKLB-Sprecher Thomas Dumke. Der Gewinner wird gebeten, sich bis zum 1. September zu melden."Spiel des kleinen Mannes""Lotto ist das Spiel des kleinen Mannes", so Trabalski. "Und das bedeutet auch, dass es ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Situation in diesem Land ist." Von Jahr zu Jahr ist die Summe der nicht abgeholten Gewinne "spürbar zurückgegangen", berichtet er. Wurden zum Beispiel 1996 noch umgerechnet fast zwei Millionen Euro als "Berlin-Prämie" ausgeschüttet, sind es inzwischen nur noch sechsstellige Jahresbeträge. Nun werden selbst kleine Gewinne noch eingelöst. "Kürzlich reiste ein älterer Mann aus Köpenick zu uns nach Wilmersdorf, um seinen 2,50-Euro-Gewinn anzumelden", erzählt Trabalski. Manchmal führe einfach nur Vergesslichkeit dazu, dass Gewinne nicht abgeholt werden - vor allem bei Gelegenheitsspielern. Besonders tragisch: Zuweilen finden die Spieler ihre Spielquittung nicht, die sie zur Anmeldung ihres Anspruchs brauchen. Tipp der DKLB: die kostenlose Lotto-Karte besorgen - gibt's in jedem Lotto-Laden. Wer diese Chipkarte besitzt, bekommt Gewinne bis 500 Euro nach zehn Wochen und höhere Gewinne sofort auf sein Girokonto überwiesen.------------------------------Wer wird Millionär?Geldsegen, ohne etwas davon zu wissen, das kommt bei Lottospielern immer wieder vor. Ein besonders krasses Beispiel: In London wurde im Januar 2006 ein Gewinn in Höhe von umgerechnet 14,5 Millionen Euro trotz mehrerer Aufrufe nicht abgeholt.Gewonnen oder nicht? Darüber kann man sich ganz einfach unter www.lotto-berlin.de im Internet informieren. Einfach die 16-stellige Spielquittungsnummer eingeben. Ein Service auch für Lottospieler, die eine solche Quittung beim Aufräumen gefunden haben.Sehr spannend wird es bei der Lottoziehung am Sonnabend. Denn inzwischen hat sich ein größerer Jackpot angesammelt, so dass es in der 1. Gewinnklasse rund elf Millionen Euro im Lotto 6 aus 49 und eine Million Euro im Spiel 77 zu gewinnen gibt.