LONDON. Das Haus in der Lansdown Road im Osten Londons, das eine Bombenfabrik sein könnte, liegt am Freitagnachmittag hinter einer gelb-weißen Plane geschützt vor neugierigen Blicken. In den frühen Morgenstunden war die Adresse im Viertel Forest Gate Szene der größten Anti-Terror-Operation seit den Londoner Anschlägen im vergangenen Juli geworden. 250 Beamte waren im Einsatz. Während sie das von einer aus Bangladesh stammenden Familie bewohnte Reihenhaus durchsuchten, wurde einer der Verdächtigen mit einem Schuss in die Schulter niedergestreckt. Augenzeugen berichteten, ein blutender Mann sei aus dem Haus transportiert worden. Der 23-Jährige wurde im Krankenhaus wegen Anstiftung zum Terrorismus festgenommen, teilte die Polizei später mit. Auch sein drei Jahre jüngerer Bruder wurde verhaftet.Die Polizei-Beschwerdekommission IPCC leitete eine Untersuchung ein. Der Schuss, wenn wohl auch nicht lebensbedrohlich, weckt Erinnerungen an den tödlichen Irrtum im vergangenen Jahr, als ein unschuldiger Brasilianer im Anti-Terrorkampf getötet wurde. Der Vorfall hatte das Vertrauen in New Scotland Yard massiv erschüttert.Allerdings scheint die Lage jetzt anders als während der nervösen Terroristenjagd im Juli. Die Operation in Forest Gate, einem vor allem von Muslimen aus Bangladesh und Kenia bewohnten Viertel, war offenbar lange geplant. Die Gegend steht unter Beobachtung der Geheimdienste. "Unsere Informationen waren so spezifisch, dass wir reagieren mussten", sagte Peter Clark, Koordinator des Anti-Terroreinsatzes. Details wurden nicht bekannt.Anonymem Polizeiquellen zufolge waren die Vorhaben der Verdächtigen islamistisch motiviert und gegen Ziele innerhalb Großbritanniens gerichtet. Ein Teil der Beamten trug bei dem Einsatz dunkle Schutzanzüge gegen biologischen und chemische Substanzen. Experten vermuteten, dass die Verdächtigen mit chemischen Substanzen experimentierten.------------------------------Foto : Die Polizisten trugen während des Einsatzes Schutzanzüge.