Im wahnhaften, utopischen Ziel einer Säuberung und Homogenisierung der Gesellschaft nach politischen, sozialen oder rassistischen Kriterien besteht die Singularität des Stalinismus wie des Nationalsozialismus, die sie von allen anderen Regimen und Gesellschaftsformationen der menschlichen Geschichte abgehoben hat.Es handelt sich jedoch um eine Parallelität, nicht um eine Identität. Im Gegenteil: Ein direkter Vergleich macht die Unterschiede der historischen Ausgangssituation und der Anlage des jeweiligen national- und sozialrevolutionären Projektes erst recht deutlich. In mancher Hinsicht standen sich beide Systeme sogar diametral gegenüber, das heißt, sie stellten zwei Extreme der Geschichte dieses Jahrhunderts dar.Das begründet keinen moralischen Unterschied, nicht prinzipiell und auch nicht in historisch-kausaler Verknüpfung. Weder war der Nationalsozialismus eine Reaktion auf den Bolschewismus, noch war der Stalinismus eine Reaktion auf den Nationalsozialismus. Es waren zwei äußerste Möglichkeiten einer Politik der Gewalt nach innen wie nach außen, die sich im selben historischen Raum entwickelten, aber unter vollkommen unterschiedlichen Bedingungen.Die Bolschewiki übernahmen die Macht im Herbst 1917 ohne allzu große Mühe. Sie stützten sich auf den sozialen Revanchismus, die Erwartungen und den Enthusiasmus von einigen zehntausend bewaffneter Aktivisten. Auf Enthusiasmus und Gewalt bauend, agierten sie gegen eine gespaltene, handlungsunfähige Gesellschaft, die Objekt, kaum Subjekt der Zerschlagung aller hergebrachten Staatsinstitutionen, Produktionsverhältnisse und Lebensweisen war.Die Nationalsozialisten übernahmen im Januar 1933 die Macht legal. Zwar hatten sich die Kohorten der SA mit den Wehrverbänden der anderen Parteien, insbesondere den Rotfrontkämpfern der KPD, schwere Schlachten geliefert. Aber sie hatten sich davor gehütet, die verhaßte Republik gewaltsam zu stürzen. Hitler zielte auf die Unterstützung durch eine tendenzielle Mehrheit der Bevölkerung und des Parlaments. Und er bekam sie auch.Wenn die "nationale Revolution" des Frühjahrs 1933 dennoch Züge einer gewaltsamen Usurpation der Macht trug, dann aufgrund einer weitgehenden Selbstabdankung der parlamentarischen Institutionen und einer Rückendeckung durch die alten Eliten, insbesondere das Militär und wichtige Teile der Beamtenschaft, sowie einer enthusiastischen Zustimmung der Bevölkerung. Die Lähmung der politischen Gegner hatte mehr mit dieser alles überrollenden "Welle" einer nationalen Aufbruchsstimmung zu tun als mit dem Terror, der gegen sie entfaltet wurde. Tatsächlich griff die Vorkriegspolitik des Regimes nur sehr oberflächlich in das Kerngefüge der Gesellschaft ein. Eben das verhieß ja der Begriff der "Volksgemeinschaft" daß die gegebene soziale Gliederung in ihrem Bestand nicht angetastet, sondern gefestigt und zusammengeschlossen werden sollte. Die "Ausstoßung" der "nicht-arischen" Teile des groß- und kleinstädtischen Bürgertums und der Intelligenz war ein Vorgang, der Gesicht und Gestalt der deutschen Gesellschaft vollkommen veränderte, sie primitivierte und entdifferenzierte. Der Verlust an kultureller Substanz und menschlichen Potentialen läßt sich am ehesten der Vernichtung des russischen Adels und Bürgertums im Zuge der Revolution an die Seite stellen. Doch mit den Stalinschen Säuberungen, die die Sowjetunion binnen kurzem an den Rand des Zusammenbruchs trieben, war das nicht zu vergleichen. Obwohl die Hälfte der deutschen Juden das Land verließ, funktionierte die deutsche Gesellschaft ungerührt weiter. Die hungrigen Aufsteiger, gerade aus dem akademischen Proletariat der zwanziger Jahre, besetzten mit Kußhand alle freigewordenen Stellen und Praxen, Kleinhändler und Handwerker übernahmen zu Spottpreisen die eingeführten Geschäfte und Betriebe ihrer auswandernden jüdischen Konkurrenten, und die großen Firmen und Banken sowie der Staat bereicherten sich am "arisierten" Kapital.Die politische Unterdrückung, die das NS-Regime ausübte, war härter als die aller anderen autoritären Diktaturen in Mitteleuropa einschließlich des italienischen Faschismus aber nur in gradueller, nicht in qualitativer Hinsicht. In den ersten Monaten der Machtergreifung wurden Zehntausende Oppositionelle inhaftiert und mißhandelt. Einige hundert Menschen sind auf die brutalste Weise zu Tode gebracht worden. In den für "staatsfeindliche Elemente" eingerichteten Schutzhaftlagern (KL) saßen im Juli 1933 annähernd 27 000 Personen. Bis Mitte der dreißiger Jahre sank diese Zahl auf einen harten Kern von 9 000 Häftlingen. Ab 1937/38 wurden in vermehrtem Umfang Schwerkriminelle und "Asoziale" von Homosexuellen bis Bibelforschern eingewiesen. In den Wochen nach den Judenpogromen vom 9. November 1938 kamen etwa 36 000 jüdische Häftlinge hinzu, die fast alle bis Frühjahr 1939 wieder entlassen wurden. Die Gesamtzahl der KL-Häftlinge betrug bei Kriegsausbruch noch rund 25 000, die wenigsten davon waren politische Häftlinge.Vergleicht man dies mit der Lage in der damaligen Sowjetunion, befindet man sich buchstäblich in einer anderen Dimension. Die Zahlen der Häftlinge in den Händen der deutschen und sowjetischen Staatssicherheitsorgane wären ungefähr im Verhältnis 1:200 anzusetzen, die der Ermordeten im Verhaltnis 1:1 000. Was besagt das aber? Zunächst nur, daß die Nationalsozialisten keinen Massenterror ausüben mußten, um das deutsche Volk gleichzuschalten und auf den kommenden Krieg vorzubereiten. Es genügten die harschen Mittel einer herkömmlichen Diktatur.Dagegen hatte der "rote Terror" der Bolschewiki schon in der Zeit des Bürgerkrieges alle Zwecke einer Niederhaltung der politischen Gegner bei weitem überschritten; er zielte statt dessen auf die prophylaktische Beseitigung der Grundlagen jeder gesellschaftlichen Autonomie. Stalins Massenterror hatte kaum noch mit der Unterdrückung einer realen oder latenten Opposition zu tun. Aber die sozialökonomische Situation der UdSSR war ungleich desolater und unbeherrschbarer als die des Dritten Reiches. Das lag keineswegs nur am historischen Entwicklungsrückstand der Sowjetunion. Der Massenterror in der UdSSR wurde mit dem Scheitern von Zwangskollektivierung und Industrialisierung zum Instrument einer wahnhaften Bekämpfung der "Urheber" dieses Mißerfolges und erreichte 1937/38 Ausmaße, die jegliche Vorstellungskraft sprengten.Die Innenpolitik Hitlers war maßvoller und effizienter. Sie zielte darauf ab, mit Hilfe der alten Eliten einen modernisierten Produktionsapparat für die Kriegswirtschaft einzuspannen, gestärkt durch Infrastrukturprojekte (mittels Arbeitsdienst, nicht Gulag-Sklaverei!) und gestützt auf ausgebildete und motivierte Arbeiter. Nicht nur die politische, auch die kulturelle Gleichschaltung der Gesellschaft ging unter diesen Umständen verhältnismäßig glatt vonstatten. Der "totalitäre" Aufwand war eher gering, sowohl praktisch wie ideologisch. Aber unterhalb aller Beschwörungen der Macht und Herrlichkeit des Reiches und der Rasse herrschte ein nahezu exzessives und behördlich gefördertes Spießertum. Das Motto "Kraft durch Freude" galt in weitem Sinne. In die Marschmusiken und Fanfaren mischte sich von den ersten Tagen der Bewegung bis kurz vor Weltuntergang das Kneipengelächter. Gerade diese Sphäre einer schrecklichen Gemütlichkeit war es, die alle Verfolgten und Ausgeschlossenen mit soviel Bitterkeit erfüllte. Darin spiegelt sich die Tatsache, daß der gesellschaftliche Gestaltungsanspruch des Naziregimes, verglichen mit der stalinistischen Sowjetunion, ein viel reduzierterer war. Der nationalsozialistische Terror war selektiv, da er seine vernichtende Wucht gegen die zu Fremden, Andersrassigen und Untermenschen erklärten Bürger richtete. Die rassischen oder eugenischen Grenzlinien, die er zog, waren ebenso absurd wie schroff aber auch restriktiv, was die "Volksgenossen" betraf.Der bolschewistische Terror dagegen war von Beginn an total instrusiv und im Stalinismus nahezu schrankenlos. Er ließ keine Klasse und Gruppe aus. Jeder konnte im Frieden wie im Krieg ein "Schädling" oder "Feind des Volkes" werden. Jede soziale Schicht, jede Berufsgruppe, jede Nationalität, jede religiöse oder sonstige Gemeinschaft wurde aufgespalten, atomisiert, radikal umgestaltet oder "liquidiert". Um "Klassen" und "Klassenkampf" ging es beim Stalinismus schon längst nicht mehr. Vielmehr bot das eroberte und "kolonisierte" Rußland sehr bald das Bild einer Gesellschaft, in der alle Klassen zerschlagen worden waren, einschließlich der historischen Arbeiterklasse. Und mit den Kulaken wurden auch noch die Reste eines Bauerntums vernichtet. Seitdem teilte sich die Sowjetunion als Gesellschaftsformation in eine untere Hälfte, die sich nur als entwurzelte, amorphe Masse beschreiben läßt, und eine obere Hälfte, die von einer politischen und funktionellen Hierarchie bestimmt wurde, in der jedes einzelne Glied disponibel war. Wenn man wollte, konnte man diese Gesellschaft tatsächlich "klassenlos" und "sozialistisch" nennen.Im Großen Terror wurde jeder Klassenbegriff vollends transzendiert. Das betraf nicht nur die Kategorie der "Volksfeinde", sondern auch die der "Schädlinge" und der "Ehemaligen". Wenn es todeswürdig sein konnte, ein ehemaliger "Kulak", "NÖP-Mann", "bürgerlicher Intellektueller" oder "Gutsbesitzer" zu sein, dann bedeutete das eine radikale Verwandlung objektiver sozialer in subjektive erbliche Kategorien. Dann war es auch verdächtig, Sohn oder Tochter eines "Ehemaligen" zu sein. Die "soziale Herkunft" heftete sich, nicht anders als die ethnische oder rassische Herkunft, lebenslang an das Individuum. Wer konnte sich aber in der sowjetischen Gesellschaft, so wie sie aus Rußland hervorgegangen war, auf eine "rein" proletarische Herkunft berufen? Nahezu niemand. Somit wies fast jedes Mitglied der Gesellschaft, der Partei, der Nomenklatura eine "falsche Herkunft" auf, mit deren Vermerk in den amtlichen Unterlagen es zu leben hatte wie mit einer Erbsünde, für die es keine Absolution gab. Liegt es also nicht nahe zu sagen, daß eine Politik der Liquidierung ganzer sozialer Schichten und "genetisch" schädlicher Menschenkategorien den Tatbestand eines Genozids erfüllt? Michail Heller und viele andere haben die Vernichtung der "Kulaken" einen "sozialistischen Genozid" genannt. Die Autoren des "Schwarzbuchs" gehen weiter und bezeichnen die gesamte historische Praxis der regierenden kommunistischen Parteien als einen einzigen, langen "Genozid am eigenen Volk". Die Frage lautet nicht, ob diese Kategorie moralisch zulässig, sondern ob sie historisch genau ist, ob sie das Spezifische der Praxis der Bolschewiki sowie der späteren kommunistischen Parteien anderer Länder trifft.Das vermag gerade der vergleichende Blick auf den Nationalsozialismus zu erhellen. Der Mord an den europäischen Juden und an Sinti und Roma folgte der reinen Logik eines Genozids, das heißt einer gewollten Ausrottung einer Gattung, die aus der menschlichen Gemeinschaft hinausdefiniert worden war. Die "Endlösung der Judenfrage" scheint verschiedene Stufen der Radikalisierung durchlaufen zu haben, doch folgte sie von Beginn an der Logik einer totalen Feinderklärung.Das war nicht der erste und nicht der letzte Versuch eines Genozids in diesem Jahrhundert. Schon der von den Jungtürken im Ersten Weltkrieg organisierte Massenmord an den Armeniern trug genozidalen Charakter. "Singulär" war der Judenmord deshalb und insofern, als er den bislang radikalsten Versuch eines Genozids darstellte. Auf der Grundlage pseudowissenschaftlicher Rassenbiologie wollte man eine Gattung mit den Mitteln moderner Bürokratie und Technik auslöschen. Dem entsprachen die Formen und Umstände: die Verschikkung möglichst ahnungsloser Menschen, vom Kind bis zum Greis, direkt in den Tod, der auf eine rationelle und "schmerzlose" Weise organisiert werden sollte. Diese letzte Steigerung ergab sich nach den Massenerschießungen der ersten Kriegsphase aus dem Selbstmitleid und den Komfortbedürfnissen der Mörder. Daher die Einrichtung von Vernichtungslagern außerhalb der Reichsgrenzen, die mit einem bestürzend geringen Personal betrieben werden konnten. Daher die Erfindung der Gaskammern und Großkrematorien zwecks beschleunigter Massentötung. Und daher das Beschweigen und die förmliche Geheimhaltung, der schon mit bürokratischen Sprachregelungen wie "Evakuierung", "Sonderbehandlung" oder "Endlösung" um dieses Jahrhundertverbrechen gesponnen wurde.Es ist dieses zeitlich und räumlich Komprimierte, Hochorganisierte, bürokratisch Leidenschaftslose, Abstrakte des Unternehmens, das in der Geschichte der Menschheit einzig dasteht. In diesem Sinne war der nationalsozialistische Judenmord ein Extrem, ein Äußerstes in der Dehumanisierung. Und als solcher hat er sich dem Gedächtnis der Menschheit eingebrannt. Die Einrichtung von Vernichtungslagern und Gaskammern blieb die Erfindung und das Kainszeichen der Nazis. Derartiges hätte den Zielen und der Anlage der stalinistischen Politik tatsächlich nicht entsprochen allerdings nicht aus humanitären Gründen. Der sowjetische Apparat des Terrors war schon seit den Tagen des Bürgerkrieges ungleich ausgedehnter. Der Archipel Gulag überzog seit den zwanziger Jahren das gesamte Imperium mit einem wuchernden Netz von Lagern und "Sondergebieten", in denen unter Bedingungen "assyrischer" Sklaverei gearbeitet und gestorben wurde.Aber auch in den großen Städten, in den Kellern der Gefängnisse, in NKWD-Komplexen und Klöstern gab es systematische Erschießungen, wurden Krematorien eingerichtet und die Opfer spurlos beseitigt. Oder es wurden die zur Exekution bestimmten Männer und Frauen in Lastwagen vor die Städte gefahren und in abgesperrten Gebieten in vorbereiteten Massengräbern erschossen. Spuren dieses Terrors sind jene Gräberfelder, die man Ende der achtziger Jahre nicht fern von den großen Städten des Landes entdeckt hat. In Kuropaty bei Minsk oder in Lyssaja Gora bei Tscheljabinsk fand man Schädelstätten, in denen jeweils über 200 000 durch Kopfschuß Ermordete vermutet werden. In der Umgebung von Kiew und von Charkow, von Jaroslawl und Irkutsk, aber auch bei Moskau und St. Petersburg gibt es Gräberfelder ähnlicher Größenordnung jeweils Gruben für 50 oder für 100 Menschen in geometrischer Anordnung für Tausende oder Zehntausende Opfer. Bis 1990 waren diese Orte des Schreckens freigelegt und allein 169 solcher Gräberfelder gefunden worden.Die SS-Einsatzkommandos haben eine ähnliche Landschaft von Erschießungsstätten hinterlassen: in Polen, in Weißrußland und der Ukraine (oft gleich neben denen des NKWD) aber nicht in Deutschland! Gerade das verweist auf den fundamentalen Unterschied dieser beiden Unternehmen. Der Nationalsozialismus war in allererster Linie ein Projekt der Eroberung von fremdem "Lebensraum" und der Neubegründung eines riesigen kontinentalen Rassenimperiums. Dessen "gesunder" Kern, die großdeutsche Volksgemeinschaft, blieb vom Massenterror weitgehend verschont, während die aus der Volksgemeinschaft Herausselektierten und die Objekte der militärischen Aggression in abgestufter Weise versklavt und vernichtet wurden. Der Bolschewismus dagegen zielte auf die Errichtung eines Großstaates neuen Typs auf dem Boden des alten Russischen Reiches, einer "Union Sozialistischer Sowjetrepubliken", die zwar ebenfalls als universell erweiterungsfähig gedacht war, aber zunächst einmal gewaltsam zusammengeschweißt werden mußte. Dafür wurde das gesamte vorgefundene Gesellschaftsmaterial einer radikalen Säuberung und Umgestaltung unterzogen, Menschen wie Dinge, Produktionsverhältnisse wie Lebensformen, materielle Basis wie geistiger "Überbau".Für dieses im Ansatz verfehlte, doch um so fanatischer betriebene Unternehmen der Bolschewiki war der Massenterror ein unabdingbares Mittel kein Zweck an sich. Ihre Politik war exterministisch, aber nicht "genozidal". Wenn Dzierzynski schon im Sommer 1917 von der "Ausrottung bestimmter Klassen der Gesellschaft" sprach, um "das soziale und politische Kräfteverhältnis in einem Staate radikal (zu) ändern", oder wenn das ZK der Bolschewiki im Januar 1919 beschloß, die "reichen Kosaken" "physisch bis zum letzten Mann (zu) liquidieren", so waren das Bekundungen einer Politik des sozialen Exterminismus, wie es sie in dieser Art noch nie gegeben hatte. Aber das Neue dieser Maßnahmen lag darin, daß sie nur als Mittel zur Erreichung eines noch größeren Zieles Sinn machten: auf die Zurichtung der Gesellschaft.Vollends gegenstandslos wird die Kategorie des "Genozids" im Falle des Großen Terrors. Wie überhaupt die Rede vom "Genozid am eigenen Volk" auf die sinnlose Vorstellung einer Gruppe politischer Machthaber hinausläuft, deren Ziel geradewegs die Ermordung ihrer eigenen Subjekte ist. Das könnte man nicht einmal von den Führern der Roten Khmer behaupten. Auch für sie war die Ausmerzung der "Volksfeinde" nur Teil eines Programms der radikalen Neuschöpfung eines proletarischen Khmer-Volkes, das ein passenderes politisches Subjekt ihrer künftigen Gesellschaft abgäbe als das alte, vom kapitalistischen Ausland korrumpierte kambodschanische Volk. Und natürlich wird sichtbar, daß solche Massenverbrechen um nichts besser und in vielem sogar noch schlimmer sind, als es ein Genozid jemals sein könnte. Aus dem Buch des Historikers Gerd Koenen "Utopie der Säuberung", das Mitte September im Verlag Alexander Fest, Berlin, erscheint.

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