Paris - Der in der ersten Runde der französischen Regionalwahlen triumphierende Front National (FN) hat seinen Siegeszug am Sonntag nicht fortsetzen können. Nach ersten Hochrechnungen haben die am 6. Dezember zur stärksten politischen Kraft avancierten, in sechs Regionen siegreichen Rechtspopulisten in der zweiten Runde keine der 13 französischen Regionen endgültig erobern können. Die Rechtsbürgerlichen werden voraussichtlich in sieben Regionen die Regierung stellen, die Sozialisten in fünf. Ein regionales Bündnis wird fortan die Geschicke Korsikas bestimmen.

In der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie unterlag die FN-Chefin Marine Le Pen mit 42,4 Prozent klar dem auf 57,6 Prozent gekommenen früheren rechtsbürgerlichen Ex-Minister Xavier Bertrand. Der Nichte der Parteivorsitzenden, Marion Maréchal-Le Pen, erging es im Süden des Landes nicht besser. In Provence-Alpes-Côte d’Azur kam Frankreichs jüngste Abgeordnete den Hochrechnungen zufolge auf 45,5 Prozent. Das Rennen machte dort der rechtsbürgerliche Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi. Beide Politikerinnen hatten die erste Runde noch mit jeweils mehr als 40 Prozent und zwölf Punkten Vorsprung vor dem Nächstplatzierten spektakulär für sich entschieden.

Sozialisten treten zur zweiten Runde nicht mehr an

Zum Verhängnis wurde den Rechtspopulistinnen, dass die Sozialisten in der zweiten Runde hier wie da nicht mehr angetreten waren und an ihre Sympathisanten appelliert hatten, für die Rechtsbürgerlichen zu stimmen und dem fremdenfeindlichen Front National so den Weg zur Macht zu verstellen. Im Elsass hatte der dortige sozialistische Spitzenkandidat Jean-Pierre Masseret zwar trotz wütenden Protestes der Parteispitzen seine Kandidatur aufrechterhalten. Der Appell von Premierminister Manuel Valls, der Wähler möge gleichwohl für die Rechtsbürgerlichen stimmen, hat aber gefruchtet. Florian Philippot, der in der ersten Runde noch mit 36 Prozent siegreiche Vize-Chef des FN, konnte sich in der zweiten nicht behaupten.

Das Fazit der Verlierer fiel entsprechend bitter aus. Als Marine Le Pen am Sonntagabend vor ihre Anhänger trat, vermochte das Lächeln den Zorn der Verliererin nicht lange zu kaschieren. Die FN-Chefin hob hervor, dass der Front künftig dreimal so viele Regionalräte stellen wird wie bisher, verfiel dann aber schnell in heftige Schelte darüber, dass „alle ohne Ausnahme“ gegen den Front angetreten seien, eine „Verleumdungskampagne angezettelt“ und mit „entschlossener Manipulation“ den Wählerwillen in sein Gegenteil verkehrt hätten.

Mit voraussichtlich 59 Prozent lag die Wahlbeteiligung deutlich höher als eine Woche zuvor. Der Erdrutschsieg des Front National in der ersten Wahlrunde und das politische Beben, das er ausgelöst hat, dürfte so manchen am 6. Dezember Daheimgebliebenen zur Stimmabgabe bewegt und die Ausbeute der Rechtspopulisten zusätzlich geschmälert haben.

Nicolas Sarkozy geht trotz Gewinnen geschwächt aus den Wahlen hervor

Auch wenn sich die in der ersten Runde auf Rang zwei verwiesenen konservativen „Republikaner“ nun in sieben Regionen durchsetzen konnten, geht Parteichef Nicolas Sarkozy aus den Wahlen geschwächt hervor. Der Erfolg ist schließlich weniger eigener Stärke geschuldet als den Anhängern der Sozialisten, die aus Sorge, der FN könne nach der Macht greifen, in drei Regionen zähneknirschend für die „Republikaner“ gestimmt haben. Sarkozy schlug am Sonntagabend denn auch ungewöhnlich leise Töne an. Man dürfe die Warnungen nach der ersten Wahlrunde nun nicht etwa vergessen, sagte der frühere Staatschef. Sie richteten sich an alle, seine eigene Partei mit eingeschlossen.

Staatschef Francois Hollande und seine Sozialisten sind vergleichsweise glimpflich davongekommen. Obwohl die Arbeitslosigkeit in Frankreich Rekordhöhe erreicht hat und Regierungsparteien in Regionalwahlen gemeinhin abgestraft werden, haben sich die Sozialisten mit dem Sieg in fünf Regionen achtbar aus der Affäre gezogen. Gleichwohl rief auch der sozialistische Regierungschef Manuel Valls dazu auf, jetzt nicht in Triumphalismus zu verfallen. Zu Erleichterung gebe es keinen Anlass, sagte der Premier. Die Gefahr von rechts sei keineswegs gebannt.