VON M. BRUHNS UND TOBIAS MILLERBerlin ist wieder offizieller Botschaftssitz der USA. Botschafter John C. Kornblum montierte am Donnerstag die Metalltafel an der bisherigen Vertretung in der Neustädtischen Kirchstraße und eröffnete so offiziell die US-Botschaft in Berlin. "Das sei ein historischer Moment", sagte er. Nach 57 Jahren Krieg und Spaltung arbeite die US-Botschaft wieder in einem vereinten Berlin. Mit der Aufwertung der bisherigen Berliner Außenstelle der Bonner US-Vertretung zur Botschaft betreten die Amerikaner diplomatisches Neuland. Zur Zeit gibt es jetzt nominell eine US-Botschaft in Deutschland, aber zwei Standorte: Berlin und Bonn.In den nächsten zwölf Monaten werden die einzelnen Abteilungen nach und nach an die Spree ziehen. Kornblum und die Wirtschaftsabteilung werden die letzten sein und mit der Bundesregierung kommen. Im September 1999 wird der Bonner Teil der Botschaft schließen. Dort wird eine Bundesbehörde einziehen. Berlin wird, wie auch die US-Vertretungen in Europa, im Nahen Osten und in Afrika, von einem Logistikzentrum unterstützt, das die USA in Frankfurt am Main aufbauen. Die Berliner Flughäfen waren den Amerikanern dafür zu klein.Zu Zeiten der Teilung waren die USA im Westteil mit ihrem Generalkonsulat an der Clayallee vertreten. 16 Jahre unterhielt Washington im Ostteil, in der Neustädtischen Kirchstraße, seine Botschaft in der DDR. Nach der Wiedervereinigung wurden Botschaft und Konsulat zur Außenstelle verschmolzen, mit einem Gesandten an der Spitze. Nach dem Botschafter und dem Chargé d affaires ist der Gesandte vom Rang her der dritte Mann einer US-Vertretung. In dem Jahr der zwischen Berlin und Bonn aufgeteilten Botschaft wird Chargé d affaires Michael Polt die USA in Berlin vertreten. Knapp 500 Mitarbeiter werden in der Berliner US-Botschaft arbeiten. Die Verwaltung und Kulturabteilung sind bereits umgezogen. Der Hauptumzug erfolgt im Frühjahr. Bis der Botschafts-Neubau am Pariser Platz fertig ist, arbeitet die US-Vertretung in Berlin an vier Stellen: Der Hauptsitz ist in der Neustädtischen Kirchstraße, die Kulturabteilung ist bereits im Amerikahaus, das Konsulat an der Clayallee und das Lager in Steglitz.Doch auch ohne den Neubau sei die Botschaft voll funktionstüchtig, sagte Kornblum. Die Finanzierung des Gebäudes sei "so gut wie gesichert". Die geschätzten 135 Millionen Dollar (etwa 228 Millionen Mark) Baukosten sollen aus dem Verkauf von US-Liegenschaften in Deutschland, sowie aus Kongreß-Mitteln bezahlt werden. Wann mit dem Bau begonnen werde, sei offen. Kornblum glaubt nicht, daß es 1998 "noch ein Loch geben wird". Nach den Anschlägen auf die Botschaften in Afrika wurden Sicherheitsbestimmungen verschärft. Noch wird mit dem Senat verhandelt, aber Kornblum ist sicher, daß die amerikanischen Bedürfnisse befriedigt werden können: "Wir werden keine Burg bauen."