Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist ein Mensch beim Baden in einem Berliner Gewässer ums Leben gekommen. Am Sonnabendvormittag starb Lothar L. aus Kreuzberg in der Krummen Lanke im Bezirk Zehlendorf. Zwei Schwimmerinnen fanden die Leiche des 64 Jahre alten Mannes im Wasser. Mitglieder seiner Familie mussten vom Ufer aus mit ansehen, wie der Tote geborgen wurde. Feuerwehrleute und die Besatzung des Rettungshubschraubers "Christopher 31" versuchten ihn zu reanimieren. Das gelang jedoch nicht. Die Ursache, die zum Tode des Mannes führte, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Bereits am vergangenen Donnerstag war eine 65-jährige Frau in Berlin nach dem Sonnenbad gestorben. Als sie von einem Boot ins Wasser sprang, versagte ihr Kreislauf.Dagegen hatte ein sechsjähriger Junge am Sonnabend Glück. Er war an der Badestelle Bürgerablage im Norden Spandaus versehentlich ins tiefe Wasser der Oberhavel gelangt. Der Junge, der nicht schwimmen kann, hatte im Flachen gespielt und war dabei ins tiefe Wasser geraten. Er schrie um Hilfe. Frank Grögor, Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), hörte die Rufe. Der 38 Jahre alte Rettungsschwimmer stürzte sich ins Wasser und rettete den Kleinen vor dem Ertrinken. Die 1913 gegründete, größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt ist während dieser Saison in Berlin bereits zu 1 000 Einsätzen gerufen worden. In den meisten Fällen mussten die ehrenamtlichen Mitarbeiter der DLRG gekenterte Boote bergen und erschöpfte Schwimmer retten.Frank Villmow ist der DLRG-Landeseinsatzleiter. Er und seine Mitarbeiter raten Eltern, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder schwimmen lernen. "So wie am Sonnabend in Spandau geraten Kinder beim Spielen unbemerkt ins Tiefe. Häufig ertrinken sie, weil sie nicht schwimmen können", sagte er am Sonntag. Ansonsten rät der DLRG-Mann, Kinder beim Baden zu beaufsichtigen. "Sie sind aus anatomischen Gründen nicht in der Lage, so wie Erwachsene bei einem Notfall im Wasser um Hilfe zu schreien", erklärte der Berliner Einsatzchef.Die DLRG betreibt in und um Berlin 37 Landstationen, in denen sich mindestens fünf Retter aufhalten. Einer steht auf dem Steg und beobachtet mit einem Fernglas das Wasser sowie das Ufer. Die anderen warten in der Station oder im Rettungsboot auf einen Einsatz. Die Boote sind mit leistungsstarken Motoren ausgerüstet, so dass die Retter in kürzester Zeit am Unglücksort eintreffen. Die DLRG-Saison beginnt im April und endet im Oktober. Die ehrenamtlichen Helfer beginnen ihren Dienst freitags um 17 Uhr. Die Schichten enden am Sonntag um 20 Uhr.------------------------------Ehrenamtliche LebensretterDie DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) hat in Berlin 9 000 Mitglieder. Deutschlandweit sind es 700 000 Mitglieder. Die Gesellschaft bringt neben den Aufgaben in der Wasserrettung deutschlandweit im Jahr 200 000 Menschen das Schwimmen bei.In Berlin sind außer der DLRG auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sowie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) für die Wasserrettung verantwortlich.Die Lebensretter arbeiten ehrenamtlich. Sie finanzieren sich hauptsächlich aus Spenden. Sie benötigen jährlich rund 350 000 Euro. Ein Drittel zahlt das Land. Die Zuschüsse sind in den vergangenen Jahren stetig zurück gegangen.Die Wasserretter der DLRG sind im Notfall unter der Telefonnummer 362 09 50 zu erreichen. Die Einsatzleitung schickt die Rettungsteams vor Ort.------------------------------Foto: Auf Wacht. Die Rettungsteams der DLRG sind mit modernen, schnellen Booten unterwegs.