Wenn im Roten Rathaus ein Bläsertrio aufspielt, der Saal mit Blumen aufgehübscht wurde und der Regierende Bürgermeister sich an das Redemanuskript hält (was sonst nicht seine Art ist), dann kann das nur eines bedeuten: Wir befinden uns in einer feierlichen Preisverleihung. Am Montag erhielt der Mäzen Stephen M. Kellen aus den Händen von Klaus Wowereit die Ernst-Reuter-Plakette. Der 1914 in Berlin geborene Kellen brachte es, nachdem ihn die Nazis aus seiner Heimat vertrieben hatten, in New York zu Wohlstand. Von dem Geld gibt er seit Jahren großzügig ab: An die Berliner Philharmoniker, die New Yorker Carnegie Hall, das Museum of Modern Art, die Nationalgalerie. Mit seiner Frau Anna-Maria Kellen stiftete er die American Academy in Berlin (deren Bestand bis ins Jahr 2050 am Montag im Roten Rathaus mit einem Vertrag gesichert wurde).Stephen M. Kellen erinnerte sich bei der Verleihung an seine Berliner Jahre: "In der Fasanenstraße, wo jetzt das Kempinski steht, wurde ich geboren, in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche konfirmiert, am Französischen Gymnasium habe ich Abitur gemacht." Unter den Gratulanten war neben Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz und Ex-US-Botschafter John Kornblum auch Nina Baronin von Maltzahn. Auf die ging der Regierende Bürgermeister zu: "Sie sind die Nichte!" Und fing sich von der Verwandten des Preisträgers eine schnippische Bemerkung ein: "Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht!"----Wie erträgt man als junger Mensch den Tenniszirkus, mit dem man von Turnier zu Turnier zieht? Die Methode von Marlene Weingärtner scheint erfolgreich zu sein: Sie gibt sich nicht nur den Gedanken an den nächsten Ballwechsel hin, sie betätigt sich künstlerisch. So entstanden auf ihrem Weg von Platz 1 044 der Weltrangliste in die Top 40 unter dem Künstlernamen Marwei Bilder: "Die Bilder sind so etwas wie mein künstlerisches Tagebuch. Man kann ihnen ansehen, wo mit ich mich während des Turniers beschäftigt habe." Wer also Gedanken lesen möchte, der kann einige Bilder von Marlene Weingärtner auf ihrer Internetseite www.marwei.com anschauen. Oder bei den Ladies German Open diese Woche beim LTTC Rot-Weiß am Hundekehlesee. Dort soll es zu einer kleinen, improvisierten Ausstellung kommen. Am Mittwoch werden die Bilder erwartet, die dann für den Rest des Turniers auf dem Tennisgelände gezeigt werden.Marlene Weingärtner kann man dann freilich allenfalls als Kunstsachverständige erleben, nicht mehr als Tennisspielerin, denn sie ist schon ausgeschieden. Am Montag musste sie ihr Erstrunden-Match wegen Lendenwirbelbeschwerden aufgeben.(Mitarbeit: Heidi Müller)BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ Mäzen Stephen M. Kellen erhielt die Ernst-Reuter-Plakette.