Predrag Mijatovic, Montenegriner von Geburt und Fußballspieler von Beruf, hat angesichts des Kriegs im Kosovo zwei alten Fragen neue Aktualität verliehen: Ist der Sport eine geeignete Bühne für den politischen Diskurs? Und: Sollten Profis eine Meinung kundtun, die über die Belange ihres Sports hinausgeht? Mijatovic hat alle Jugoslawen in Europas Ligen aufgerufen, so lange zu streiken, wie die Nato Serbien bombardiert. Anders denkt sein Arbeitgeber, Lorenzo Sanz, Präsident Real Madrids. Weil Mijatovic, in die Fahne Jugoslawiens gehüllt, vor der US-Botschaft seinen Staatschef Slobodan Milosevic gefeiert und den Dienst am Ball verweigert hat, muß er 60 000 Mark zahlen, die höchste Strafe im Reglement des Klubs. Sollte er auch im nächsten Spiel nicht antreten, droht ihm die Entlassung.Es steht außer Zweifel, daß Mijatovic, der sich nun als Opfer sieht, Propaganda treibt für einen Täter. Er macht sich zum Sprachrohr Milosevics. Erstens, weil er mit seinem Boykottaufruf, in Belgrad wohlwollend verfolgt, seine fußballspielenden Landsleute unter Druck setzt, es ihm gleichzutun, was weit über eine eigene Meinungsäußerung hinausgeht. Zweitens trägt er ein diffiziles Thema ausgerechnet in die Stadien keine Stätten der Reflexion, in der politische Hintergründe angemessen erörtert werden. Falls ein Sportler überhaupt Einfluß haben kann auf das gesellschaftliche Klima, so hat der vermeintliche Kriegsgegner Mijatovic die Aggression verschärft statt gedämpft.Allerdings trägt auch Reals Klubchef Sanz keinesfalls zur Deeskalation bei. "Tut mir leid, aber Real ist nicht an dem Krieg schuld", hat er gesagt. Diese Begründung steht exemplarisch für den Drang der Funktionäre, ihre vermeintlich heile Sportwelt so rein und damit so verkäuflich wie möglich zu halten. Sein Argument ist so kühl, wie Mijatovics Verhalten hitzig ist und macht es jenen serbischen Spielern schwer, denen, anders als Mijatovic, nach stiller Trauer zumute ist. Der Grat ist schmal, aber ein Mensch, der sich nicht in der Unterhaltungsindustrie Fußball präsentieren will, weil er seit Tagen auf ein Lebenszeichen seiner Familie wartet, verdient Respekt. Wie der VfB Stuttgart ihn Kristijan Djordjevic und Sreto Ristic bekundete, indem er sie vom Spiel gegen Duisburg freistellte. Fußball ist in diesen Tagen mehr als eine Frage des Arbeitsrechts.