Ich möchte auch gesucht werden von dir, eines Tages." Das so charmant dahingesagte Kompliment eines Fremden ist vielleicht der schönste Satz des etwas holprigen Dokumentarfilms "Zwischen zwei Welten". Weil in ihm das Wissen liegt, daß derjenige sich glücklich schätzen kann, nach dem die Sehnsucht so groß ist; mit dem ein Wiedersehen so kostbar wäre, daß keine Mühe dafür zu groß ist. Fünf Jahre ist es her, daß Bettina Haasen während ihres Studiums der westafrikanischen Verkehrssprache Haussa den Fulani-Nomaden Musa Daurido Gambo kennengelernt hat. Sie kehrt zurück, um ihn wiederzufinden; von ihrer Suche im Nordosten des Niger erzählt in 52 Minuten ihr erster, auf Video gedrehter Film "Zwischen zwei Welten". "Vielleicht ist es Fernweh, vielleicht die Sehnsucht, immer wieder fremd zu sein und neu anzufangen, vielleicht Liebe oder Freundschaft " die 30jährige läßt die Gründe für ihre Reise im Dunkeln, und sie sind auch gar nicht wichtig. Natürlich wäre der Kontrast zweier Kulturen ein mögliches Meta-Thema dieses Projekts und Bettina Haasen ist Gegenentwurf genug zu den schicksalsergebenen Nomaden, mit denen sie durchs Land zieht, denen sie folgt per Taxi, Esel und zu Fuß: Jene staunen über den energischen Elan der Stadtfrau aus Deutschland, die den Stand der Dinge täglich über das regionale BBC-Radio kundtut, die ganz Niger in ihre Nachforschungen einbezieht und dabei noch das Mikrofon hält. Als sie selbstbewußt den Chefsekretär des Ministeriums für Straßenbau heimsucht, da muß er ein bißchen lächeln und beschert ihr die schöne, geographisch angepaßte Metapher, ein Nomade ließe sich so einfach finden wie eine Nadel in einem Wasserloch.Den Nomaden in ihrem mühsamen Über-Leben muß das Anliegen, jemanden einfach nur wiedersehen zu wollen, ohne Grund, ohne Dringlichkeit, als schierer Luxus erscheinen. Doch das Gegenteil ist der Fall; nie wird sie gefragt, was sie denn wolle von Musa ihr Bestreben, ihn zu treffen, stößt stets auf andächtigen Respekt, denn die Menschen im kargen Niger wissen besser noch als sie, welche Kraft Wünsche haben können. Und so wird "Zwischen zwei Welten" zu einer poetischen Parabel über die Freundschaft über zwei, die schließlich still wissend nebeneinander sitzen und nicht ergründen müssen, was einer dem anderen bedeutet. Der lang herbeigesehnte Augenblick ist dann auch ein so kleiner Moment, daß Kameramann Marcus Winterbauer fragt: "Ist Musa jetzt da?" und ihn längst filmt. Der Weg war das Ziel; nicht als wohlfeile Workshop-Metapher, sondern als Geschenk unendlicher Aufmerksamkeit an den, zu dem die Reise ging.Zwischen zwei Welten (Haussa, Frz. mit dt. Untertiteln) Deutschland 1999, 52 Minuten. Buch und Regie: Bettina Haasen.

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